Versorgung mit Hörhilfen

Aufgrund der sehr zeitig diagnostizierten Hörstörung bin ich bereits im Alter von zwei Monaten mit meinen ersten Hörgeräten ausgestattet worden.
Plötzlich war alles ganz anders, ich konnte viel mehr wahrnehmen und war gleich viel mobiler und aufmerksamer. Bei meinen kleinen Ohren war es anfangs ganz schön schwierig, dass die Hörgeräte hinter den Ohren geblieben sind, Mama und Papa mussten sie teilweise mit Pflaster festtapen. 
Es folgten viele Anpassungsstunden, die ersten Logopädiestunden und noch einige Hörtests, meistens wenn ich sowieso während einer OP in Narkose lag, da ich dabei dann ganz besonders ruhig war.

Farblich passten Mama & Papa meine "Horchis" an mein Alter an...erst hatte ich babyblaue, dann pazifikblaue und dazu die passenden farbigen Ohrpassstücke. Meine "Horchis" sind schon ein Hingucker und erregen Aufmerksamkeit.

Da ich auf dem rechten Ohr nur sehr wenig höre haben Mama & Papa zusammen mit den Ärzten dann 2009 beschlossen, dass ich auf dieser Seite ein Cochlea Implantat (CI) bekommen soll...natürlich auch in pazifikblau.
Die OP dazu hat ziemlich lange gedauert und hinterher habe ich ein paar Tage wie ein Boxer nach seinem letzten Boxkampf ausgesehen. Anschließend folgte auch hier eine lange Zeit der Anpassung, denn das CI musste ja langsam auf die optimale Leistung eingestellt werden.

Ich habe gelernt mit meinem Hörgerät und meinem CI sehr gut zu hören. Natürlich höre ich nur das was ich möchte und wenn Mama oder Papa mit mir schimpfen, dann mach ich meine "Horchis" einfach raus und habe meine Ruhe.

Manchmal mag ich die Horchis nicht tragen, das hat verschiedenen Gründe...gerade wenn es warm ist stören die Ohrpassstücke im Ohr, vor allem wenn mein Ohr mal wieder ausläuft ist das sehr unangenehm, wenn die Batterien alle sind oder irgendwas defekt ist mache ich sie raus, denn dann nützen sie mir auch nichts und bei manchen Sachen stören die Dinger einfach, z.B. beim Toben...zum Baden muss ich sie ja sowieso rausmachen.
Manchmal bin ich aber auch nur trotzig und trage sie deshalb nicht, ich teste gerne aus, bei wem ich wie weit gehen kann...und wer sich darüber ärgert, wenn ich meine Horchis rausmache. Das ist schon ein lustiges Spielchen.
Außerdem bekomme ich noch mehr Aufmerksamkeit, wenn ich die Dinger rausmache. Manchmal habe ich aber auch einfach keinen Bock alles zu hören, vor allem wenn ich überfordert und müde bin.
Auf dem linken Ohr höre ich ja auch noch ein bisschen, wenn ich keine Horchis drin habe und das reicht mir dann aus und wenn niemand anderes um mich herum Horchis tragen muss, will ich auch nicht immer der Exot sein.

Ich weiß aber, dass ich die Horchis in der Schule und zu den Therapien tragen muss, das mache ich auch ganz brav und Fernseh schauen darf ich auch nur mit Horchis.

 

 
Audiogramm http://www.medel.com/img/4e66a8fe495429dcbdf23f25e29b6093.jpg

Bei mir wurde eine sog. beidseitige Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsschwerhörigkeit) diagnostiziert. Diese entsteht durch beschädigte oder fehlende Haarzellen in der Hörschnecke. Eine leichte bis mittelgradige Innenohrschwerhörigkeit kann mit einem Hörgerät behandelt werden, bei einer schweren oder hochgradigen Schwerhörigkeit empfiehlt sich ein Cochlea Implantat (CI). Deshalb bin ich links mit einem Hörgerät versorgt und rechts mit einem CI.

Ein CI ist die einzige medizinische Lösung, die den Hörsinn wieder herstellen kann, wobei die nicht funktionierenden Teile des Innenohrs umgangen werden und dafür die Nervenfasern in der Hörschnecke (Cochlea) durch elektrische Impulse direkt stimuliert werden. Ein CI-System besteht aus einem außen, hinter dem Ohr getragenen Sprachprozessor mit Mikrofon und Sendespule mit Magnet und dem implantierten CI unter der Kopfhaut mit einem weiteren Magneten, Empfangsspule, Stimulator und Elektrodenträger mit den Stimulationselektroden, welche die Verbindung zur Hörschnecke und zum Hörnerv darstellen bzw. die Schallwellen weiterleiten.

Das Hörgerät soll das Funktionsdefizit des Hörorganes ausgleichen. Ich trage ein Hinter-dem-Ohr-Gerät. Dies besteht aus einem Mikrofon mit Verstärker und Lautsprecher. Der Schall tritt über das Mikrofon in das Hörsystem ein, welches die Schallwellen in elektrische Impulse umwandelt, an den Hörverlust anpasst und an den Lautsprecher weiterleitet. Von da erfolgt die Ausgabe über einen Schallschlauch in das Ohrpassstück und dann in den Gehörgang. 
Man muss sich einfach vortsellen, jemand spricht in ein Mikrofon. 

Die Hörsysteme sind hochkomplex, aber ich muss sagen, sie funktionieren gut.

                                               

Dank der heutigen Technik bin ich in der Lage zu hören, habe mittlerweile ein gutes situatives bzw. passives Sprachverständnis und konnte auch Lautsprache erwerben. Ich kann etwa 20 Wörter sprechen, welche ich auch regelmäßig anwende, wie "Hallo", "Mama", "Papa", "Oma", "Opa", "Ja", "Nein", "Trinken", "Geht nicht", "Tschüß", viele Namen und Tierlaute u.s.w....ich lerne aber auch Gebärden und ein paar, die ich motorisch auch umsetzen kann, wende ich dann an. Manchmal bin ich aber etwas sprechfaul...ich habe gelernt mich recht gut verständlich zu machen und wer viel mit mir zu tun hat weiß auch was ich will, da muss ich doch nicht viel zu sagen, oder?!
Die kitzeln dann aber die Wörter aus mir heraus bzw. versuchen es.
Das ich nicht so viel sprechen kann liegt nicht an den Horchis, sondern an meiner komplexen Behinderung. 

 

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