Mein 8.-10. Lebensjahr – "Beginn der Schulzeit"

2014, also mein 8. Lebensjahr, war ein Jahr der Umstellungen und Veränderungen…

Zuerst war es nun doch mein letztes Jahr in der Kita. Es viel uns allen nicht leicht Abschied zu nehmen, denn es waren 5 tolle Jahre in der Kita, in denen wir alle zusammen viel erreicht haben. Ich habe stark profitiert von meiner Kitagruppe profitiert.
Vor allem meine Erzieherin Martina habe ich sehr lieb gewonnen, sie war für mich quasi wie eine zweite Mama und war all die Jahre an meiner Seite. Beim Abschiedsfest sind dementsprechend viele Tränen geflossen.
Meine Erzieherin Martina besuche ich aber regelmäßig in den Ferien und dann ist die Wiedersehensfreude groß!

 

          

Nach drei Anträgen und Widersprüchen habe ich 2014 endlich eine zweite Fördereinheit sinnesspezifische Frühförderung genehmigt bekommen, kurz bevor ich zur Schule gekommen bin. Das tat mir nochmal richtig gut, weil ich so noch ein Stück mehr in Einzelförderungen auf die Schule vorbereitet werden konnte.

Dann haben Mama und Papa ein Haus gekauft und wir sind im Sommer umgezogen. Es war zwar nur einen Ort weiter und wir hatten nun viel Platz, ein tolles Grundstück mit Pool und ein riesiges Zimmer für mich, aber irgendwie war das komisch aus der bisher vertrauten Umgebung herausgerissen zu werden.

Irgendwie kam auch alles auf einmal, der Wechsel von der Kita in die Schule, der Umzug in eine neue Umgebung, eine neue Nachmittagsbetreuung in der Lebenshilfe, neue Bezugspersonen, neue Kinder…oh man, da war ich erst mal etwas überfordert mit.

Natürlich war auch alles sehr aufregend im Sommer 2014, wie meine Einschulung am 29.08.2014 und die Hochzeit von Mama & Papa am 30.08.2014, was wir beides mit einer riesigen Party gefeiert haben.

                      

        
Ich dachte schon, die schaffen es beide nie „Ja“ zu sagen, dabei  bin ich doch ein Beziehungsexperte, denn mein Motto ist „Peace & Harmonie“, d.h. es müssen sich immer alle lieb haben, sich umarmen und küssen, und ich verkuppel gerne, dass finde ich ganz toll.
Wenn sich jemand streitet, dass mag ich gar nicht. 
Selbst wenn Mama & Papa nur mal diskutieren setze ich mich zwischen die Beiden und versuche so zu beruhigen.  
Ich kuschel sehr gerne, was viele genießen, da dies sehr entspannend sein kann.
Mama sagt immer so eine Umarmung von mir vertreibt jeden Ärger und gibt neue Kraft und Energie.

    

         

    

Einschätzung meiner Entwicklung:

  • aufgrund der kombinierten Entwicklungsstörung viel Nachholbedarf in verschiedenen Wahrnehmungsbereichen, aber stetige Fortschritte sichtbar
  • Defizite in Motorik, Sprache, Kognition, ADL-Bereich (Aktivitäten des täglichen Lebens)
  • Rumpfhaltung instabil aufgrund Hypotonie, Körperspannung über längere Zeit aufrecht erhalten schwierig
  • große Probleme in Konzentration und Ausdauer, kann sich nicht lange gezielt auf eine Aufgabe einlassen, ermüdet schnell
  • Aufstehen, Gehen, Hinsetzen ohne Hilfe, teilweise unkoordiniert und wackelig, im Gehen Gegenstände aufheben oder nehmen mit viel Konzentration und ggf. festhalten
  • Feinmotorik: im Pinzettengriff kleine Gegenstände greifen und festhalten möglich, beim Einsetzen / Stapeln Koordinierungsprobleme, bei feinmotorischen Übungen hoher Bewegungsdrang, zappelig, unkonzentriert, Stiftführung instabil, zu Beginn Drei-Punkt-Griff, dann Wechsel in Faustschluss, versucht nachzumalen
  • Koordinieren und Planen von Bewegungsabläufen schwierig, weiß oft nicht welchen Schritt er als nächstes machen soll, fehlende Handlungsideen
  • kognitiv strak retardiert, aufgrund von Sprachproblem schwierig zu erkennen, ob gestellte Aufgabe richtig verstanden wurde, kann Aufmerksamkeit nicht längere Zeit auf eine Sache richten, lässt sich schnell ablenken von äußeren Reizen
  • auf ständige Hilfe im alltäglichen Bereich angewiesen, kaum zielgerichtete, geplante, beabsichtigte, sozial gesteuerte und kontrollierte Handlungen möglich
  • unterstützend zur Kommunikation Gebärdensprache und Bildkarten, der 2011 beantragte Talker wurde noch nicht bewilligt
  • auditive Aufmerksamkeit gut ausgeprägt für Geräusche und Sprache im Alltag, kann Geräuschquellen lokalisieren und identifizieren, ordnet viele Alltaggeräusche dem entsprechenden Bild zu, erkennt ob sich Geräusche auf ihn zu oder von ihm weg bewegen, reagiert auf Geräusche aus dem Alltag z-B. läuft zur Tür wenn es klingelt, lauscht gerne auf Musik und gesungene Lieder, versucht Lieder selbst nachzusingen, ähnliche Melodieführung und Intonation erkennbar, verlangt bei Liedern Wiederholungen
  • stark auf Mundbild des Gegenübers fixiert -> kann sich dadurch kaum auf eigenes konzentrieren, konzentriert sich um besser zu verstehen an Mundbild, Mimik, Gestik seines Gehgenübers, hat gelernt zuzuhören & Dialogführung
  • passives Sprachverständnis verglichen mit aktivem sehr groß, versteht einfache Aufforderungen und Fragen, die sich auf unmittelbare Situation beziehen, kann kurzen vorgelesenen Geschichten folgen, kann kleine Zwischenfrage durch Zeigen auf entsprechende Bilder beantworten, nimmt visuell angebotene Sprache gut auf
  • Wortschatzerweiterung, Symbolkraft von Bildern verstanden, Talker soll selbständige Kommunikation möglich machen um seine Bedürfnisse zu äußern, wenn er mit Lautsprache oder Gebärden nicht weiterkommt
  • starkes Imitationsverhalten, auch bei sprachlicher Imitation
  • erste Buchstaben, erkennt Worte wie MAMA, PAPA und LEON, kann Name mit Buchstaben und visueller Unterstützung nachlegen
  • aktiver Wortschatz wird nur langsam durch neue Wörter ergänzt, lautiert sehr stark, benutzt vereinzelte Wörter regelmäßig, Monologe beim Buch anschauen mit Ansätzen von verständlichen Wörtern, benutzt Lautsprache zur Kommunikation, unterstützt durch einfache Gebärden, für Außenstehende oft nicht erkennbar was er mitteilen möchte
  • gutes Frageverständnis -> Ja / Nein Antwort
  • Lieblingswort: „Hallo“, mit dem jeder freudig und wiederholt begrüßt wird, kann dieses aber auch mit verschiedenen Betonungen in unterschiedlichen Situationen einsetzen -> Wort was jeder versteht und worauf fast immer eine positive Reaktion folgt-> jeder freut sich über sein „Hallo“
  • kann Puzzle mit wenigen Teilen zusammenpuzzeln, Memory in vereinfachter Form möglich, Bilderlotto super, Formen zuordnen (Kreis, Dreieck, Quadrat), erkennt Größenunterschiede und Farben, versteht einfache Spielregeln, gutes Gedächtnis bei bekannten Handlungsabläufen, Wiedergabe von Bewegungen in bestimmten Liedern und Ritualen
  • kann seit Anfang 2014 alleine Schaukeln, ohne dass er Hilfe beim draufsetzen oder Schwung holen benötigt
  • durch Laufen lernen Handlungsspielraum und Selbständigkeit erweitert
  • Bewegungen koordinierter
  • freundlich und charmant, geht offen auf Menschen zu, keine Kontaktscheu ggü. Kindern und Erwachsenen, sucht oft Körperkontakt, fasziniert von Haaren, teilweise zu fasziniert J
  • offen und freundlich in Therapien / Förderungen
  • Lächeln wird an mancher Stelle gezielt eingesetzt um schwierigen Aufgaben aus dem Weg zu gehen, aber muss lernen Herausforderungen in Angriff zu nehmen und versuchen zu meistern
  • in der Lage seinen Missmut zu äußern (Kopfschütteln, nein)
  • bei Überforderung und wenn er keine Möglichkeit findet sich verbal zu äußern reagiert Leon körperlich z.B. durch Haare ziehen, schubsen
  • Akzeptanz der „Horchis“ wieder gut, fordert sie teilweise sogar ein, aber reißt sie auch aus Trotz oder bei Überforderung raus

2015 gab es zu Pfingsten ein Emanuel-Syndrom-Treffen im Harz. Dort habe ich einige Kinder aus Deutschland, Belgien, Niederlande und Dänemark kennengelernt, die wie ich das Emanuel-Syndrom haben. Unsere Eltern standen schon länger per E-Mail in Kontakt, umso schöner war es, dass wir uns alle mal kennengelernt haben. Es war sehr interessant und wir hatten alle viel Spaß. Ich war der Älteste von den anwesenden Emanuel-Syndrom Kindern und konnte den Eltern Mut machen & Hoffnung geben für die weitere Entwicklung ihrer Kinder. Mittlerweile haben meine Eltern Kontakt zu einigen Familien in Europa und es gibt sogar eine WhatsApp Gruppe und eine weltweite Gruppe bei Facebook. Ein nächstes Emanuel-Syndrom Treffen ist für 2017 in Hessen geplant.

         

Mit Amelie, auch einem Mädchen mit Emanuel-Syndrom. und ihren Eltern waren wir 2015 zweimal und 2016 einmal zusammen zur Intensivtherapiewoche in Baiersbronn im Schwarzwald.

            

Dort wird mit dem Therapiekonzept der neurofunktionellen Reorganisation nach B. Padovan gearbeitet, um insbesondere die sprachliche Entwicklung zu fördern. Am Tag finden 3 Therapieeinheiten statt, Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie mit Körperübungen zur Verbesserung der Wahrnehmung und der Gleichgewichtsregulation, Mundübungen zur orofacialen Stimulation, Training der Artikulation von Einzellauten und Silben, Übungen zur Verbesserung des Sprachverständnisses durch Erweiterung des passiven Wortschatzes und Verbesserung der Aufmerksamkeitsrichtung und Ausdauer durch Verhaltenstrainings mittels Aufforderungs- und Zuordnungsübungen.  Die Einzellaute sind bei mir alle abrufbar, teilweise mit taktiler Hilfe und ich habe ein gutes situatives Sprachverständnis.

Die Intensivtherapiewochen haben gezeigt, dass der sprachliche Bereich, neben dem kognitiven, eine der größten Baustellen bei mir ist.
Ich habe eine ausgeprägte verbale Dyspraxie, d.h. ich bin kaum dazu fähig, bewusste und komplexe aufeinander folgende Sprechbewegungen motorisch zu planen und auszuführen. Die willkürlichen, korrekten Muskelbewegungen von Zunge, Lippen, Wangen, Kiefer, Kehlkopf und Gaumensegel sind gestört.
Ich lerne Wörter am besten sprechen durch nachahmen und immer und immer wieder vor-und nachsprechen und einer Verknüpfung der Wörter mit Bildern.
Mein expressiver Wortschatz, also dass was ich aktiv sprechen kann, ist mit ca. 20 Wörtern natürlich stark eingeschränkt, ebenso mein komplexes Sprachverständnis. Hinzu kommen eine Hypotonie und Dysfunktion der orofacialen Muskulatur. Auch meine Sensomotorik und psychomotorische Selbstkontrolle ist stark eingeschränkt, ebenso  meine Bewegungsplanung. Auch meine Gleichgewichtsregulierung haut nicht so ganz hin, ich bin z.B.  unsicher und ängstlich auf labilen Unterstützungsflächen, wie z.B. ein Schaukelbrett, bin motorische sehr unruhig und habe auch ein paar kleine Tics, wie bei Anspannung und Konzentration mit den Zähnen zu knirschen, meine Hände vor dem Gesicht haltend schnell öffnen und schließen.  Meine Bewegungskontrolle und mein Bewegungsempfinden sind gering und meine Feinmotorik und Kraftdosierung nachwievor deutlich eingeschränkt.  

Schule:

Ich habe mich, nach den anfänglichen Startschwierigkeiten, mittlerweile gut an die schulische Situation und Anforderungen des Schulalttages gewöhnt. Ich kenne meine Klassenkameraden und Lehrer mit Namen und versuche diese auszusprechen. Ich beobachte meine Mitschüler sehr genau, spiel aber lieber alleine oder mit Erwachsenen. Ich liebe Bücher und beim Vorlesen höre ich gut zu.
Ich versuche immer mehr Gegenstände zu benennen oder zu gebärden und finde mein Namensschild.
Ich habe begonnen mir eine angemessene Lernhaltung zu erarbeiten, meine Konzentration wird besser und für ein paar Minuten bleibe ich auch am Tisch sitzen. Ich habe die ersten  Buchstaben (U, L, M, I, A, E) kennengelernt und  kann vereinzelte Gegenstände aus der „Lautkiste“ mit den Buchstaben benennen oder gebärden. Außerdem kann ich viele Tiere mit Lauten und/ oder Gebärden benennen.
Ich verwende mittlerweile eine Kombination aus Lautsprache und Gebärden. Die Kommunikation mit anderen fällt mir aber nachwievor noch schwer.
Schaukeln und Trampolin springen mache ich draußen am liebsten und das sehr ausdauernd, wo ich mich doch sonst nicht so lange auf eine Sache konzentrieren kann J Mittlerweile kann ich sogar schon im Stehen schaukeln.
Auch beim Gehen werde ich immer ausdauernder, irgendwann hatten Mama & Papa mal einen Rehabuggy für mich beantragt, so ähnlich wie mein Stockwagen, für den ich zu schwer geworden war, aber oft haben wir den nicht gebraucht, zumal wenn wir den bei haben ich natürlich auch damit chauffiert werden wollte. Deshalb haben Mama & Papa den irgendwann auch nicht mehr mitgenommen. Den Buggy hat die Krankenkasse zur Abwechslung mal ohne Probleme bewilligt, die wollten uns sogar einen Rollstuhl andrehen, aber dagegen haben sich Mama und Papa komplett geweigert. Sie haben immer daran geglaubt, dass ich laufen lerne und darin auch sicher und ausdauernd werde.
Ich teste beim Spazieren gehen natürlich gerne meine Grenzen aus und setze mich einfach hin, wenn ich kein Bock mehr habe zu laufen. Meistens funktioniert das nicht, die lassen mich dann einfach sitzen, außer wenn es zu gefährlich wäre, wie z.B. auf der Straße.
Ab und an habe ich Papa überreden können, dass er mich auf seinen starken Schultern trägt.
Ich lasse mich aber auch gerne zum Laufen überreden, z.B. mit einem kleinen Wettlauf.

Ich male gerne mit Farbe und verschiedenen Techniken und beim Umgang mit Schere und Klebstoff ist immer weniger Hilfe notwendig.
Fasziniert bin ich von Musik und Musikinstrumenten. Dabei bin ich sehr konzentriert und  lasse mich durch Musik gut beruhigen. Ich intoniere Lieder und ahme Melodien nach.
Ich werde auch immer sportlicher, ich kann mich auf der Bank entlang ziehen, klettern, rollen, mit meinen Mitschülern mit den großen Bausteinen Türme bauen.  
Die ca. 20 Wörter, die ich aktiv sprechen kann setze ich auch gezielt und zuverlässig ein.
Mehrwortäußerungen kann ich kaum, außer: geht nicht und weg da J
Mein Muskeltonus ist nachwievor herabgesetzt.  

Seit Anfang  2015 hatte ich wieder mal eine Verweigerungsphase in Bezug auf meine „Horchis“. Erst wollte ich es in der Schule nicht wirklich tragen, aber dafür zu Hause und irgendwann habe ich das Ganze umgedreht und meine „Horchis“  in der Schule und im Rahmen von Therapien akzeptiert, aber zu Hause und in der Freizeit hatte ich kein Bock darauf. Diese Phase hielt bis Mitte 2016 an, mit mal mehr, mal weniger Ablehnung.
Das führte dazu, dass Mama & Papa mich z.B. nur noch Fernsehen schauen ließen, wenn ich meine „Horchis“ drin hatte, wenn nicht, ging die Glotze sofort aus. Sie haben mich mit so manchen Sachen, die ich gerne mag, erpresst damit ich die Dinger trage.

Natürlich ist und bleibt meine gesamte Entwicklung, insbesondere meine Sprachentwicklung, stark verzögert. Sie schreitet jedoch kontinuierlich voran, vor allem was die Motorik, Selbständigkeit und mein Verhalten betrifft. Darauf sind wir alle sehr, sehr stolz. 
Regeln einhalten fällt mir manchmal schwer, ich will meinen eigenen Willen durchsetzen. Zu Hause natürlich mehr als in der Schule. In der Schule bin ich auch selbständiger als zu Hause. Zu Hause habe ich oft kein Bock alles alleine zu machen, dabei kann ich auch sehr ausdauernd sein, z.B. wenn ich mich alleine Anziehen soll, das kann dann schon mal dauern und wenn Mama & Papa es dann doch eilig haben, dann bekomme ich meine Hilfe ;-)
Manchmal muss man mich einfach ein wenig herausfordern, ich kann mehr, als mir so mancher zutraut, aber da ich gerne bequem bin muss das ja nicht jeder wissen. Das zieht aber zu Hause und bei Tante Rola nicht mehr, in der Schule auch nicht, aber bei meinen Oma`s & Opa`s, Tanten & Onkels und allen, die mich nicht ganz so oft sehen, da komme ich mit der Masche noch ganz gut durch.

Mein Schlafverhalten ist mit Melatonin deutlich besser, dann schlafe ich auch meist so 9 Std., werde aber teilweise nachts wach und gehe zu Mama & Papa ins Bett. Da ist es so schön kuschelig, auch wenn die immer meckern, dass sie dann kein Platz mehr hätten.

Mit meiner Verdauung ist es wie mit dem Wetter, erst brauchte ich täglich Movicol, damit ich überhaupt mein großes Geschäft machen konnte, dann nach 7 Jahren habe ich plötzlich keine pure Milch mehr vertragen, benötigte aber auch kein Movicol mehr und jetzt ist es mal wieder so, dass es mal gut klappt und mal nicht. Richtige Frischmilch vertrage ich aber absolut nicht, das geht dann sowohl nach hinten, als auch nach vorne los.
Mit dem Essen habe ich keine Probleme, ich esse alles, auch sehr gerne Salat, Gemüse & Obst und ausgefallene Sachen. Mit Messer und Gabel kann ich nicht gleichzeitig essen, das kann ich nicht koordinieren und beim Pieken mit der Gabel habe ich auch noch kleine Probleme, aber verhungern tue ich nicht. Ich helfe ab und zu auch mal beim Kochen oder Backen.  In der Schule haben wir auch eine Lehrküche.

Meine Kommunikationsfreude habe ich mir natürlich bewahrt. Ich reagiere sehr gut auf Sprache, kommuniziere wie gehabt mit den Wörtern, die ich sprechen kann, Mimik, Gestik, Gebärden und Lautieren. Ich habe eine große Mitteilungsbereitschaft, aber meine Äußerungen sind nur eingeschränkt verständlich.
Ich imitiere Wörter korrekt und spreche nach, aber verwende die meisten der Wörter nicht aktiv. Ich verstehe Fragen, insbesondere im Rollenspiel, befolge Vorschläge und komme Aufgaben im situativen Umfeld nach.
Oft spreche ich Wörter, wenn niemand damit rechnet.
Letztens ist bei Tante Sandra auf dem Bein eine Ameise lang gekrabbelt, ich habe darauf gezeigt und gesagt "Ameise". Die war ganz schön überrascht gewesen als ich das gesagt habe.

Auch in der Schule geht es voran. Ich freue mich jeden Tag auf die Schule, außer montags brauche ich etwas Anlaufzeit und habe meinen Platz in der Klassengemeinschaft gefunden. Ich bin sicherer bei der Kontaktaufnahme in kleinen Gruppen, kommuniziere mit einzelnen Wörtern und Gebärden und kann so Hilfen besser einordnen sowie Bedürfnisse und Emotionen ausdrücken. Ich habe eine gute Lernhaltung und meine Aufmerksamkeit ist deutlich besser geworden. Ich habe natürlich noch mehr Buchstaben kennengelernt (O, T, R, P, Au, Ei) die ich auch zuordnen und lautieren kann.
Farben kann ich mit Gebärden benennen und auch Formen, Alltagsgegenstände / Essen / Trinken / Anziehsachen/ Körperteile/ Fahrzeuge u.s.w. kann ich zuordnen und nachsprechen. Mein Größen- und Mengenverständnis hat sich verbessert und ich zähle gern, wobei ich auch ziemlich deutlich die Zahlen lautiere.
Im Bereich der Selbstversorgung werde ich immer selbständiger, Sachen wie Tisch decken und abräumen sind selbstverständlich und ich brauche nur noch wenig Unterstützung beim An- und Ausziehen. Ich habe eine gute Orientierung.
Mit großer Freude führe ich Kunststücke auf dem Trampolin vor und auch bei anderen sportlichen Aktivitäten und beim klettern und rutschen werde ich immer mutiger und sicherer. Da muss Mama noch Lernen etwas cooler zu werden und nicht gleich in Panik zu geraten, wenn ich ganz oben am Klettergerüst angekommen bin, beim runter klettern habe ich noch so meine Probleme und unterschätze schon mal die Abstände und die Höhe.
Werfen und Fangen wird auch immer gezielter und besser.
Ich liebe Musik und Tanz, Kino- und Theateraufführungen wobei ich gespannt lausche und beobachte und enthusiastisch Beifall klatsche. Ich kenne Musikinstrumente, kann kleine Melodien mit Trommel, Klanghölzern und Gitarre spielen und zum richtigen Zeitpunkt einsetzen und spiele gerne Animateur und liebe das Rampenlicht und den Applaus von anderen. Ich lass mich also gerne feiern.  Ich war auch schon alleine auf Klassenfahrt, das war echt cool und wir hatten echt viel Spaß. Ich habe natürlich ordentlich für Stimmung gesorgt.

Um eine bessere Förderung von Hören, Sprache & Kommunikation zu erreichen habe ich den Schulbereich von der Grundstufe in den Schulbereich für Hör- und sehgeschädigte Kinder gewechselt. Dort sind die Klassen noch kleiner und es ist eine noch gezieltere Einzelförderung möglich.
Ich habe auch gemerkt, dass ich in der Klasse etwas untergehe, da alle anderen deutlich weiter waren als ich und ich in einer kleinen Gruppe deutlich besser lerne. In diesem Schulbereich sind ca. 30 Kinder, fast alle haben so wie ich „Horchis“, was ich ganz toll finde. Die Klassen werden so zusammengesetzt, dass jeder profitieren kann.
Der Wechsel in den neuen Schulbereich hat mir sehr gut getan. Ich bin jetzt mit zwei anderen Kindrn in einer Klasse und zwei Pädagogen kümmen sich ganz toll um uns. Ich bin viel ausgeglichener und zufriedener. 

In der Schule werden so viele tolle Sachen angeboten, von Exkursionen und Ausflügen über Schwimmunterricht, Lehrküche, Arbeitsgemeinschaften ob kreativ, sportlich oder musikalisch, Therapien, tiergestützte Therapie mit Hund, zurechtfinden im Alltag, wozu auch Straßenbahnfahren gehört und wie man sich draußen bewegt und verhält, wie man einkaufen geht u.s.w.
Natürlich machen wir auch richtigen Unterricht, lernen Buchstaben, Wörter, Gebärden, Zahlen, Mengen, Farben und noch vieles mehr.
Ich fühle mich sehr wohl in meiner Schule und Mama & Papa sind froh, dass es so eine tolle Schule gibt.

Auch in der Lebenshilfe, wo ich nachmittags und teilweise in den Ferien bin, fühle ich mich sehr wohl und habe viele neue Freunde gefunden. Auch dort machen sie viele tolle Sachen mit uns, wie Spielen, Basteln, Ausflüge usw.

Ansonsten spiele ich total gerne mit Jona & Dave.
Dave & Jona sind die Kinder von Tante Rola & Onkel Norman und die Patenkinder von Mama & Papa. Wir verstehen uns super, vor allem Dave und ich, wenn es um Blödsinn machen geht.
Dave ist zwar kleiner und jünger als ich, aber er hilft mir immer ganz viel, bei dem, was ich noch nicht kann und ist für mich so wie ein Bruder. Ab und zu streiten wir uns auch mal, wenn es um Spielzeug geht oder ich eifersüchtig bin, aber das gehört dazu. Dave war auch mit uns im Urlaub, das war echt cool.
Jona ist auch immer für mich da und wie eine große Schwester. 
Es ist toll, dass sie mich so akzeptieren wie ich bin und mit mir zusammen Spielen & Spaß haben und mich ganz normal behandeln.
Wir unternehmen ganz, ganz viel zusammen, sehen uns eigentlich jedes Wochenende und noch mehr und sind immer füreinander da.

Von Tante Rola gibt es auch mal eine Ansage, wenn ich versuche meinen Dickkopf durchzusetzen. Bei ihr und Papa hab ich da keine Chance. Bei Mama klappt das besser, obwohl ich die auch nicht mehr so leicht um den kleinen Finger wickeln kann. 

In den Sommerferien 2016 waren wir dann alle zusammen im Disneyland in Paris, also Mama, Papa & ich und Tante Rola, Onkel Norman, Jona & Dave. Oh man war das cool da, am liebsten wäre ich dort geblieben und bei Micky & Co. eingezogen.

           

Es war überwältigend, es gab so viel zu entdecken und ich war so verzaubert, dass ich von morgens bis abends ohne zu meckern durch die Parks gelaufen bin und meine "Horchis" durchweg getragen habe. Ich bin zu „Frozen“  tanzend über die Main Street gelaufen. Wir sind tolle Karussells gefahren, auch Achterbahnen, haben Disneyfiguren getroffen, tolle Shows gesehen und waren einfach nur glücklich. Ich zeige Mama & Papa immer wieder die Postkarten von Disneyland und wenn sie fragen ob ich dort wieder hin will gibt es nur eine Antwort: JAAAAAAA!!!

          

        

Als wir aus Paris wieder gekommen sind, hat uns meine Barbara, also meine Therapeutin von der Delphintherapie zu Hause besucht. Oh, war das eine Wiedersehensfreude!!! Ich bin und bleibe ja schließlich ihr Hase und ihre große Liebe. Im Sommer 2017 fliegen wir nach Griechenland und dürfen dort an einem Therapieprojekt zusammen mit Barbara und noch ein paar anderen Familien teilnehmen. 

               

         

 

 

 

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